Keine Kindergesichter online
Ist dir eigentlich aufgefallen, dass hier keine Kindergesichter zu sehen sind?
Meine Arbeit lebt davon, dass Menschen meine Bilder sehen. Dass sie einen Einblick bekommen, wie Bilder aus ihrem Familienleben aussehen könnten.
Aber mit diesen Einblicken geht eine große Verantwortung einher.
Denn wenn ich euch fotografiere, darf ich für eine Weile ganz nah dabei sein. Momente voller Nähe, Liebe und manchmal auch Verletzlichkeit. Dinge, die ihr vielleicht mit niemand anderem teilen würdet.
Und nur weil ich diese Augenblicke festhalten darf, bedeutet das nicht, dass sie auch für alle anderen bestimmt sind.
Deshalb ist es mir wichtig, bewusst zu entscheiden, welche Bilder ich im Internet zeige.
Ein Baby kann nicht entscheiden, ob sein Gesicht im Internet zu sehen sein soll. Ein zweijähriges Kind versteht noch nicht, was es bedeutet, wenn ein Bild öffentlich geteilt wird. Und auch ein größeres Kind kann kaum abschätzen, wer diese Bilder irgendwann einmal sehen wird.
Ich finde aber, dass diese Entscheidung den Kindern selbst gehören sollte. Wenn sie alt genug sind, um zu verstehen, was es bedeutet.
Deshalb zeige ich im Internet keine erkennbaren Kindergesichter. Auch dann nicht, wenn ihr als Eltern mit einer Veröffentlichung einverstanden wärt.
Aber eigentlich sollten wir uns diese Frage gar nicht stellen müssen.
Die Fotografin Marcia Friese bringt einen ganz entscheidenden Gedanken mit in die Diskussion, ob Eltern Bilder ihrer Kinder teilen dürfen oder Fotografinnen sie veröffentlichen sollten. Etwas Wesentliches gerät dabei nämlich in den Hintergrund.
Das Problem sind nicht die Kinderbilder. Und auch nicht die Menschen, die sie zeigen. Kinder gehören in unsere Gesellschaft. Sie dürfen sichtbar sein, auch im öffentlichen Raum und in der Fotografie. Ihre Gesichter sind nichts, was grundsätzlich versteckt werden müsste. Dass wir trotzdem darüber nachdenken müssen, hat einen anderen Grund.
Es gibt Menschen, die Bilder von Kindern missbrauchen, sie verbreiten oder mithilfe künstlicher Intelligenz manipulieren. Und genau dort liegt die Verantwortung. Nicht bei den Kindern, nicht bei ihren Müttern und auch nicht bei den Fotografinnen, die Familienleben sichtbar machen.
Verantwortlich sind die Menschen, die es für solche Zwecke einsetzen.
Ich möchte nicht, dass meine Entscheidung, Kindergesichter nicht zu zeigen, als Zustimmung zu dieser Schuldverschiebung verstanden wird.
Kinder sollten sichtbar sein dürfen, ohne dass wir Angst haben müssen, was andere Menschen mit ihren Bildern machen.
Solange ich diese Sicherheit aber nicht geben kann, möchte ich mit den Bildern besonders behutsam umgehen.
“Eine ganz herzliche und sympathische Fotografin, bei der man sich sehr wohlfühlt. Sie kommt dorthin, wo das Leben stattfindet - bei uns war es ganz entspannt zu Hause. Sie hält die echten, ungestellten Momente auf eine wunderschöne und sehr natürliche Art fest und hat einen besonderen Blick für die kleinen Details. Für mich sind die Fotos eine wertvolle Erinnerung an diese besondere Zeit mit den Kindern."
Und trotzdem kann man so viel sehen.
Die kleinen Hände, die sich an Mamas Pullover festhalten. Die nackten Füße, die unter dem Frühstückstisch baumeln. Ein zerzauster Hinterkopf, der sich an Papas Schulter kuschelt. Die geflochtenen Haare, über die gerade noch liebevoll gestrichen wurde.
All diese kleinen Dinge erzählen so viel über Familienleben.
Man muss nicht in jedes Gesicht schauen können, um zu spüren, wie viel Liebe in einem Bild steckt. Manchmal reicht eine einzige Geste. Eine Berührung. Die Art, wie zwei Menschen nebeneinander sitzen.
Deshalb zeige ich online nur Ausschnitte eurer Geschichte. Und auch diese Bilder veröffentliche ich selbstverständlich nur mit eurer ausdrücklichen Zustimmung.
Für eure eigenen Erinnerungen gibt es diese Einschränkung natürlich nicht.
Ihr bekommt eure Familienreportage vollständig. Mit all den Gesichtern, Blicken und kleinen Momenten dazwischen. Mit allem, was euch ausmacht und woran ihr euch irgendwann erinnern möchtet.
Denn eines Tages sollen eure Kinder diese Bilder anschauen und sehen können, wie sie waren. Wie ihr sie angesehen habt. Wie sie in euren Armen lagen und wie sich euer gemeinsamer Alltag angefühlt hat.
Diese Erinnerungen sind für euch. Für eure Kinder. Für später.
Dir ist das auch wichtig?
Dann schau dir meine Pakete an und finde raus, welchen Teil eures Alltags ihr festhalten möchtet.